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Tauchen im Müll: Mehr als ein Hobby

Wer im Müll nach Essbarem sucht, macht sich unter Umständen strafbar.
Foto: Abe Novy

Beim Dumpstern, dem Suchen nach Essbarem im Müll, geht es weniger darum, dass sich die Beteiligten nichts leisten könnten. Vielmehr geht es um die Ideologie dahinter.

Als ich in meinen früheren journalistischen Artikeln stöberte, ist mir dieser Text aufgefallen: 2015 habe ich drei junge Frauen beim Containern begleitet. Es versteht sich von selbst, dass ich sie nur beobachtet habe. Ich war nicht beteiligt. Denn das, was die Studentinnen gemacht haben, war illegal. Sie suchten in den Müllcontainern von Supermärkten nach weggeworfenen Lebensmitteln.

Auf der Suche im Müll drohen Strafen

Nachts am Supermarkt, wenn die Mülltaucher kommen.
Foto: Casey Hugelfink

Wer containert, betritt Privatgelände. Er verschafft sich unter Umständen gewaltsamen Zugang zu Waren. Diese dürfen in der Regel nicht mehr verzehrt werden. Mülltaucher begehen Hausfriedensbruch, Sachbeschädigung und Diebstahl. Je nachdem, an welchen Supermarktbetreiber man gerät, erhält man Hausverbot oder eine Geldstrafe.

Ich frage mich, in welchem Stil das Mülltauchen derzeit bei uns praktiziert wird. Mittlerweile gibt es viele Initiativen gegen das Wegwerfen von Lebensmitteln. Schon 2015 erklärten Supermarktbetreiber, dass die Bestellmengen immer mehr dem Bedarf angepasst werden können. Oder sie reduzierten den Preis für Lebensmittel vor dem Verfall des Mindesthaltbarkeitsdatums. Auch die Tafelläden profitieren vom steigenden Bewusstsein für Müllvermeidung, ebenso wie Fairteiler-Initiativen.


Meine Meinung: Besser Müll vermeiden

Bis vor ein paar Jahren gab es eine klar ersichtliche Trennung zwischen „Ökos“ und „Normalos“. Heute ist das anders. Man kann sie nicht mehr an Kleidung oder Ernährung unterscheiden. Viele Kunden kaufen inzwischen im Bioladen, setzen sich mit ethischen Grundsätzen auseinander oder gehen auf die Suche nach weggeworfenen Lebensmitteln.

Diese Dumpsterer sind nicht arm und obdachlos, sondern Studenten oder wohlhabende Bürger, die gegen die Konsum- und Wegwerfgesellschaft protestieren. Mal ehrlich, essen wir nicht alle lieber frisches, makelloses Obst und Gemüse? Auch ich greife lieber zu dem Netz mit strahlend gelben Zitronen als zu dem, in dem eine verdächtig bläulich schimmert. Keine Frage, wir leben verschwenderisch und wählerisch.

Die Motivation der Müllfischer kann ich nachvollziehen. Doch ist es richtig? Es ist einfach, anderen den Schwarzen Peter zuzuschieben. Bevor ich kritisiere, dass sie zu viel wegwerfen, fange ich bei mir an: weniger Müll produzieren, bewusst konsumieren, nur das kaufen, was ich auch essen kann.

Und ich bin bereit, einen fairen Preis für meine Lebensmittel zu zahlen, wenn ich weiß, was ich esse. Das heißt: aus der Region und aus biologischem Anbau, zum Beispiel vom Biobauern in der Nähe. Diese Garantie erhalte ich keinesfalls, wenn ich im Müllcontainer nach Essbarem suche.

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