Familie,  Journalistisches,  Nachhaltigkeit

Basar für jeden Anlass: Gerangel am Wühltisch

An den Wühltischen eines Basars werden Kleidungsstücke begutachtet.
Fotos: Dorothea Fischer

In der Mehrzweckhalle eines kleinen Ortes ist ein Basar. Am Wühltisch kommt es fast zum Gerangel. Zwei Frauen greifen nach dem rosa Cordkleid mit der Blumenstickerei. Die Mütter schauen sich grimmig an. Beide ziehen an dem Kleidchen. Dann lässt Sophias Mutter los. Sie hat einen Fleck entdeckt. Auch für Luna ist es nicht das Richtige, befindet ihre Mama und wirft das gerade noch begehrte Stück Stoff achtlos zurück auf den Kleiderberg. Es dauert nicht lange, da freut sich eine der vielen anderen Anwesenden über das Stück und packt es in den mitgebrachten Korb.

An den Wochenenden finden derzeit landauf, landab wieder Kindermärkte und Basare statt. Wo in der Region kann man zum Beispiel hier sehen. Verkauft werden gebrauchte Kleidungsstücke vom Mützchen für Säuglinge bis hin zu Sportschuhen für Jugendliche. Es gibt aber auch Spiele, Bücher, Babybedarf oder Fahrzeuge – eben alles, was Kinder brauchen.

Vorteile von Second-Hand-Kleidung

  1. Gebrauchte Kleidung ist günstiger als neue – für weniger Geld bekommt man mehrere Kleidungsstücke.
  2. Kinder wachsen schnell, Kleidungsstücke für Kinder sind oft wenig getragen und in einem guten Zustand.
  3. Bereits vorgewaschene Kleidung ist besser für die Gesundheit
  4. Durch das Weitergeben von Kleidungsstücken werden Ressourcen geschont. Die Umwelt dankt!
  5. Kleidung aus zweiter Hand sind individuelle Stücke, die sonst meistens keiner hat.

Ausstattung für die gesamte Saison vom Basar

Die Mutter der zweijährigen Sophia hat im Frühjahr beim Basar in Holzkirchhausen eine große Tasche voller Kleidung für ihre Tochter mit nach Hause genommen. Sie hat die gesamte Ausstattung für die Saison erstanden. „Ich kaufe fast nur auf Basaren. Die Sachen wurden oft nur kurz getragen und sind noch schön“, sagt sie. Wer Kinder hab, der wisse, dass Kleidung ganz schön teuer sein kann.

Was hier gebraucht verkauft wird, ist oft gewaschen und deshalb frei von Schadstoffen.

Lucia Mattke, Krabbelgruppe Helmstadt

In Uettingen gibt es schon seit einigen Jahren einen Spielzeug- und Rollermarkt. „Davor wurden bei uns auch Kleider verkauft. Die kriegt man aber überall“, so Jutta Judex, eine der Veranstalterinnen, über das Alleinstellungsmerkmal des Basars. Sie betont, dass im Martin-Luther-Haus auch Platz für sperrige Dinge sei. Wer hier etwas verkaufen möchte, darf so viel mitbringen, wie er mag.

Etwa 50 Kinderfahrzeuge und Fahrräder, aber auch Inlineskates, Radhelme oder Rucksäcke wurden 2018 angeboten; außerdem Kinderwägen, Hochstühle, Autositze und Spielsachen. Leseratten werden hier ebenso fündig wie Puzzlefans. Puppenmuttis, kleine Köche oder Hobby-Handwerker.

Wie auch bei Kleidermärkten oft üblich, erhalten die Anbieter im Voraus eine Nummer, mit der sie ihre Waren beschriften, die sie am Abend vor dem Verkaufstag bringen. Mittlerweile wurden fast 50 Verkaufsnummern vergeben. Ehrenamtliche sortieren nach Produktgruppen, damit die Kunden das Gesuchte schnell finden. Judex sieht einen wesentliche Vorteil des Spielzeug- und Rollermarktes gegenüber dem Kleiderbasar: „Wir brauchen weniger Helfer, da das Sortieren schneller geht als bei Klamotten.“

Ehrenamtliche helfen beim Basar

Im Frühling und im Herbst stemmt Lucia Mattke aus Helmstadt mit rund 100 Helfern an drei Tagen die Basare. Dabei ist dieser nur für drei Stunden geöffnet. Damit der Andrang bei Saalöffnung nicht zu groß ist, düfen Schwangere mit einer Begleitperson schon eine halbe Stunde vorher stöbern. Trotzdem drängen sich ständig Eltern und Kinder um die Verkaufstische. Andrang herrscht auch bei den Verkaufsinteressenten. Beim „Basar rund ums Kind“ dürfen insgesamt 150 Familien jeweils einen Wäschekorb gefüllt mit Kleidung sowie drei Paar Schuhe zum Verkauf bringen.

Freiwillige Helfer, die sich am Wochenende Zeit nehmen, um beim Auf- und Abbau oder beim Verkauf selbst zu helfen, gibt es immer weniger, stellte Jutta Judex fest. Manche Eltern, deren Kinder von den Einnahmen profitieren, würden fadenscheinige Ausreden anbringen. „Ich hasse es, die Leute anzubetteln, ob sie helfen können“, so Judex. Es geht dabei keineswegs um ihre private Angelegenheit, sondern ist für den guten Zweck.

15 Prozent des Erlöses des Basars werden an Krabbelgruppe und Kindergarten gespendet. Mit dem Geld werden Ausflüge organisiert, Geburtstagsgeschenke für die Kleinen gekauft, Bastelmaterial bezahlt oder ein Zauberer für das Kindergartenfest organisiert. Die Krabbelstube Helmstadt behält zehn Prozent der Einnahmen und gibt sie an verschiedene Einrichtungen im Ort. Weiteren Umsatz generiert man hier wie dort mit dem Verkauf von Kaffee und Kuchen.

Lucia Mattke erinnert sich noch gut an den ersten Basar vor 32 Jahren im Pfarrheim in Helmstadt. Der Reinerlös betrug damals 300 Deutsche Mark. Mittlerweile gehen beim Frühlingsbasar mehr als 4000 Einzelteile über die Ladentheke. Der Preis pro Stück beträgt im Durchschnitt etwa 1,50 Euro – zumindest der der sieben Teile, die Luis‘ Mutter in Größe 98 für den Dreijährigen kauft.

Ihre Tipps für ein erfolgreiches Shopping-Erlebnis: Mann und Kind zu Hause lassen. Gleich zu Beginn des Basars kommen. Alles, was gefällt in eine Tasche packen und bei Tageslicht in einer Ecke der Halle prüfen: Sind die Kleidungsstücke sauber? Haben sie Flecken? Stimmt der Preis? Zusammen mit der Mama des sechs Monate alten Pauls, freut sie sich über ein weißes Marken-T-Shirt zum Schnäppchenpreis von 70 Cent. „Das musst du auf jeden Fall nehmen!“

Basare für jeden Anlass

Neben den Kinderkleider-Basaren gibt es übrigens auch andere Second-Hand-Basare, zum Beispiel Mädchen-Flohmärkte (für große Mädchen – ein Beispiel aus Bergrothenfels), spezielle Veranstaltungen für Zwillingseltern, Spielzeug-Basare, und vieles mehr. Einfach mal durch das Netz klicken. Ich freue mich, wenn ihr von euren Veranstaltungen berichtet.

Den Text oben habe ich im Auftrag der Main-Post Main-Spessart für eine lose Serie an Nachhaltigkeits-Themen verfasst.

Meine Meinung: Second Hand? Auf jeden Fall!

Keiner weiß, woher die Kleidungsstücke vom Basar stammen. Wer hat sie getragen? Ganz ehrlich: Das ist doch zweitranging. Wichtig ist nicht die Herkunft, sondern das Aussehen. Kleidungsstücken sieht man besonders schnell an, wenn mit ihnen nicht pfleglich umgegangen wurde. Stoffe nehmen schnell hartnäckige Flecken und Gerüche an, die sich schwer entfernen lassen. Man erkennt auf den ersten Blick, wie gut ein Kleidungsstück behandelt wurde.

Übrigens: Beim Einkauf von Second-Hand-Klamotten bleibe einem stressige Shopping-Touren durch überfüllte Modeläden und die Tricks der Verkäufer (Werbung, Licht in der Umkleidekabine etc.) erspart. Ganz zu schweigen davon, dass man der Umwelt etwas Gutes tut. Die Besuche von Basaren und Flohmärkten lassen sich mit einem Ausflug mit der Familie oder der besten Freundin verbinden. Wird die Kleidung beim Verkäufer zu Hause ausgesucht, findet das oft in einer gemütlichen Kaffeerunde statt.

Nicht selten haben Eltern Stammverkäufer, bei denen sie gerne Kleidung erwerben. Dadurch kann sich schnell ein persönlicher Kontakt entwickeln.

Noch mehr Tipps und Inspiration

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: