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Permakultur – gebündelte Fachkompetenz

Blick in einen Permakultur-Garten.
Foto: Nicolás Boullosa

In unregelmäßigen Abständen krame ich ältere journalistische Artikel aus meinem Repertoire hervor. Ich achte darauf, dass sie auch noch nach längerer Zeit lesenswert sind. Auch jener über die Permakultur-Erlebnis-Gärtnerei in Marktheidenfeld gehört dazu. Aber lest selbst, was ich zur Eröffnung im Frühjahr geschrieben hatte:

Es gab Zeiten, da war der Marktheidenfelder Staudenweg Garteninteressierten ein Begriff. Wer seltene Pflanzen suchte, fand sie hier am Stadtrand in Richtung Zimmern. Denn hier residierte der „Staudenpapst“ Dr. Hans Simon. Der Gründer der Sortiments- und Versuchsgärtnerei war bis zu seinem Tod vor drei Jahren ein international gefragter Fachmann auf seinem Gebiet.

Seit nahezu 70 Jahren gibt es die Gärtnerei in Marktheidenfeld. Jetzt wird sie von Sohn Werner geführt. Doch auch für ihn wird die Arbeit mit den etwa 4000 Pflanzenarten beschwerlich. Das merkt man, wenn man das 4,5 Hektar große Gelände besucht. Zum Frühlingsanfang wirkt es auf eine charmante Art verwahrlost.

Die Gewächshäuser haben eingeschlagene Scheiben. Beete verwildern. Bambusrhizome breiten sich zügellos aus. Zwischen den schmalen Blättern fühlen sich zwitschernde Vögel wohl. In der Weidenkrone brummen die ersten Hummeln. Herumliegende Tontöpfe sind vermost.

Schluss mit dem Dornröschenschlaf!

Ein paar Unverbesserliche nehmen sich seit einigen Monaten dem Gelände an. Sie erwecken es nach und nach aus dem Dornröschenschlaf. Einer von ihnen ist Jonas Gampe. Der 31-Jährige sorgt seit ein paar Jahren mit seinem Permakulturgarten in Bischbrunn für Aufmerksamkeit. Gampe schrieb ein Buch zum Thema. Er hält Vorträge und berät europaweit Kommunen bei der naturnahen Gestaltung von Grünflächen. Permakultur heißt, konsequent landwirtschaftlich produktive Lebensräume nachhaltig aufzubauen, die sich selbst erhalten.

Was ist eigentlich Permakultur?
Quelle: BR | Die Natur macht‘s | Zwischen Spessart und Karwendel

Unter Fachleuchten kennt man sich. Werner Simon erzählte Gampe, dass er in Rente gehen wolle. Er dürfe den Kontakt zu einem möglichen Nachfolger herstellen. Dieser solle bestenfalls den Familienbetrieb fortführen. „Ich überlegte nicht lange“, sagt der Landsschaftsbautechniker mit Weiterbildung zum Permakultur-Designer. „Wir finden hier Bedinungen vor, die wir bei einer Neuanlage erst nach 20 Jahren erreichen“, so Gampe. Er meint damit die gewachsene Struktur an Bäumen und die vorhandenen Pflanzflächen für die Permakultur.

Begeisterung ist herauszuhören

Bei einem Rundgang über das Areal zeigt Gampe mal hierhin, mal dorthin. Immer ist die Begeisterung für das, was er plant, herauszuhören. Noch ist es kaum vorstellbar, wie aus dem Gestänge des alten Folientunnels ein Lehrbereich mit Versuchsbeeten und Sitzplätzen entsteht. Auf einer Lichtung zwischen hoch gewachsenen Bäumen und Sträuchern soll in ein paar Jahren das „Ernteland“ zum Selberpflücken von Obst angelegt werden.

Der Initiator plant für die Zukunft: „Wenn wir mal viel Geld übrig haben, decken wir die Gewächshäuser neu ein.“ Jetzt habe erst einmal die angeordnete Kanalsanierung Vorrang. Gampe beführchtet, dass die Stadtverwaltung ihm und seinen Mitstreitern nicht wohlgesonnen ist. Warum, das kann er nicht sagen. Doch man kündigte Werner Simon einen Pachtvertrag bis 2021 über zwei Grundstücke mit einer Fläche von etwa 1,7 Hektar. Dies sind mehr als ein Drittel des Areals, mit denen Gampe bei der Übernahme rechnete.

Für den Wirtschaftsbetrieb brauche man das Gelände nicht zwingend, erklärt er. Es sei als Abenteuerplatz und zur Durchführung von Workshops vorgesehen. Schade sei es um den eingewachsenen Bestand an Laub- und Nadelbäumen sowie die zentimeterdicken Bambusstämmen. Diese müssten weichen, da das Gelände brach an die Stadt zurückzugeben sei.

Gemeinnütziger Verein Agrarwende

So ein Projekt, das stemmt man nicht alleine. Menschen mit Fachwissen, zum Beispiel zum Anbau und zur Saatgewinnung von Gemüse oder zur Aufzucht von Pilzen, arbeiten gemeinsam am Permakultur-Erlebnis. Andere sind zuständig für gärtnerisches Arbeiten mit Kindern oder die Imkerei. Und Jonas Gampe ist für den reibungslosen Ablauf und das Grundkonzept verantwortlich.

Alle zusammen arbeiten unter dem Dach der Tilia Permakultur-Erlebnis-Gärtnerei GmbH und Co. KG, oder besser gesagt „unter der Linde“ (lat. Tilia). Als Ergänzung zum gewerblichen Betrieb gibt es den gemeinnützigen Verein Agrarwende e.V. Auch die bestehende Staudengärtnerei Simon bietet in den nächsten Jahren ihr gewohntes Sortiment an Stauden an und kümmert sich um die Aufzucht der Kräuter für den Permakulturbetrieb. Werner Simon wird sich jedoch nach und nach zurückzuziehen. Neben ihren Tätigkeiten in der Gärtnerei arbeiten die meisten noch selbstständig.

So genießt jeder der Mitstreiter maximale Freiheit trotz klarer Strukturen und flacher Hierarchien in der Führung, sagt Jonas Gampe. Dies entspreche auch dem Gedanken des nachhaltigen Wirtschaftens der Permakultur.


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