Inspirierende Menschen,  Journalistisches

Das Licht der Berge leuchten sehen

Symbolbild: Klettern in den Dolomiten (Berge in Italien).
Foto: Martin Schmidt

Er ist in der Welt der Extremen zu Hause, sucht die Herausforderungen, die die Berge ihm bieten: Die schwierigsten Klettersteige und kältesten Witterungen bezwingt Alexander Huber. Zusammen mit seinem Bruder hat er sich einen Namen gemacht: Die „Huber Buam“ sind spätestens seit dem Dokumentarfilm „Am Limit“ des Regisseurs Pepe Danquart weltweit bekannte Profibergsteiger und Extremkletterer.

Bereits 2015 habe ich einen Vortrag von Alexander Huber besucht und durfte darüber berichten. Noch heute denke ich gerne daran zurück. Mich hat zum einen seine Art des Erzählens beeindruckt, aber natürlich auch die Bilder der Berge und die Erlebnisse, über die er berichtete. Mit seinem Multivisionsvortrag „Im Licht der Berge“ weckte er Sehnsüchte nach kargen Landschaften und ließ den Atem der Zuhörer stocken, wenn ein Sturz drohte. Sie zitterten mit dem Bergsteiger, wenn er von eiskalten Nächten an der senkrechten Wand, nur auf einem Felsvorsprung sitzend, berichtete. Und sie waren begeistert, wenn Fotos von unvergessenen morgendlichen Sonnenaufgängen über die Leinwand flimmerten.

Man merkte Alexander Huber mit jedem Wort an, dass er seinen Beruf mit Leidenschaft ausübt. Doch was fasziniert ihn an den felsigen Landschaften der Berge eigentlich?

Wenn im Tal noch Nebelfelder die Sicht einschränken und du auf dem Gipfel ankommst, über den Wolken stehst und die Sonne strahlt, dann ist das einfach unbeschreiblich.“

Alexander Huber

Dieses Gefühl kennen die „Huber Buam“ bereits seit ihrer Kindheit. Alexander Huber wurde 1968 in Oberbayern geboren. Schon früh ging es mit den Eltern in die Berge. Besonders der Vater lehrte den Jungen zum einen die Faszination der Berge, zum anderen auch, auf die Sicherheit zu achten. Sein Credo: „Es ist nicht der Berg, den ihr bezwingt, sondern das eigene Ich.“

Immer höher, immer schwieriger

Als Zwölfjähriger bestieg Huber den ersten Viertausender. Von da an ging es immer höher, wurde immer schwieriger. „Es ist nur natürlich, dass man das, was man kann, weiter ausbaut“, sagte er über seine Leidenschaft, die er letztendlich zum Beruf gemacht hat. „Ab da fühlte ich mich frei“, erinnerte er sich. Das Studium der Physik hat der jüngere der Huber-Brüder zwar 1997 abgeschlossen, aber nur sehr kurz in der Wissenschaft gearbeitet.

Stattdessen widmet er sich ganz dem Extremalpinismus, immer zusammen mit seinem Bruder Thomas unterwegs, und zählt weltweit zu den erfolgreichsten Allroundbergsteigern. Nach seinem Studium bezwangen sie den El Capitan (2307 Meter) im Yosemite-Nationalpark in Kalifornien auf mehreren Routen oder den 8000er Cho Oyu im Himalaya (Tibet). Huber rief den Besuchern, die nicht nur aus dem näheren Umkreis, sondern auch aus dem Würzburger, Aschaffenburger und Wertheimer Raum gekommen waren, ins Gedächtnis, dass der Cho Oyu etwa doppelt so hoch ist wie der höchste Berg Europas (Mont Blanc, 4810 Meter); ebenso wie der 7000er Latok II in Pakistan, den Huber mit als erster beging.

„Ich bin als erster Mensch hier geklettert!“

Zur besonderen Herausforderung eines Profibergsteigers gehört es, eine Route als erster zu begehen. Er darf ihr den Namen geben. Huber war beispielsweise mit seinem Team der erste auf der „Weißen Rose“ (Schleierwasserfall, Tirol) oder auf der „Golden Eagle“ (Desmochada, Patagonien). Insgesamt 27 Mal konnte er der Welt beweisen: „Ich bin als erster Mensch hier geklettert!“

Immer wieder suchen die Brüder Alexander und Thomas neue Abenteuer. Der Motor dafür ist nicht nur der Ruhm. „Ich breche in die Welt der Berge auf, um die Menschen, die in den Regionen leben, kennenzulernen“, erklärt Alexander Huber seine Motivation. Die Huber Buam engagieren sich auch im sozialen Bereich. Der Verein „Himalay-Karakorum-Hilfe“, den sie unterstützen, setzt sich für arme Menschen ein, die in den asiatischen Gebirgen leben.

Man muss jedoch nicht an das andere Ende der Welt reisen, um Kletterabenteuer zu erleben. „Auch bei mir zu Hause ist es schön“, so Huber. Erst 2012 bezwang er die Route „Nirwana“ an der Tiroler Sonnwendwand. Er gab ihr einen Schwierigkeitsgrad von acht Grad – eine der einfacheren; in jüngeren Jahren ist er nicht selten auf 11er Graden geklettert. Doch mit seinen 46 Jahren ist er heute in bestimmten Disziplinen des Bergsteigens nicht mehr Weltspitze.

Ein Berg wie bayerische Berge sein sollten

Im zweiten Teil des Vortrags erzählte der Oberbayer ausgiebig von einem seiner alpinen Höhepunkte, der Besteigung des Mount Asgard, einem Berg, „wie ein bayerischer Berg sein sollte: die Form wie ein Maßkrug mit Schaumkrone“, scherzte Huber. Zusammen mit Thomas Huber und Mario Walder reiste Alexander 2012 nach Baffin Island, ganz im Norden von Kanada. Im Fokus: die „Befreiung“ der „Bayerischen Diretissima“.

Das Team hat es nach wochenlanger Anreise mit Flugzeug und Boot, dem Ausharren im Basislager wegen Schneefälle und dem beschwerlichen Aufstieg an der senkrechten Granitwand geschafft, den Berg als erste frei zu besteigen. „Am 9. August standen wir nach 28 Seillängen mit Schwierigkeiten bis zum zehnten Grad und über zehn Tagen an der Wand auf dem Südturm des Mount Asgard.“

Einen Sonnenaufgang gab es nach diesem beschwerlichen Unterfangen nicht zu sehen. „Wir erreichten genau um Mitternacht den Gipfel. Die Sonne war hinter dem Horizont verschwunden“, sagte Huber. „Doch wir haben sie gar nicht gebraucht. Wir hatten das Licht der Berge in uns.“

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